
Klaus Henke – Indisch für Anfänger
Die Herausforderung:
Indien ist mit 1,2 Milliarden Einwohnern der zweitbevölkerungsreichste Staat der Erde und der bevölkerungsreichste demokratische Staat. Und es ist ein Land der Gegensätze. Gerade im Bereich Infrastruktur hat das Land enormen Nachholbedarf – bis dato ist es sehr schwierig, beispielsweise sehr große Bauteile über die indischen Straßen zu transportieren. Dort galt es nun, einen neuen Standort für Rothe Erde aufzubauen, den weltweit größten Hersteller für Großwälzlager – mit allem Drum und Dran. Inklusive der ausgeklügelten Technik, die die hohe Qualität der Produkte sicherstellt. Klaus Henke war für den technischen Aufbau der Fertigungsstätte zuständig.
Die Lösung:
Ende 2005 flog Henke das erste Mal nach Nashik, um sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen – viele weitere Male sollten folgen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Planungsarbeiten schon in einer fortgeschrittenen Phase. Die benötigten Maschinen wurden weltweit eingekauft, die Mannschaft für das Werk ausgewählt und die Baubetreuung sichergestellt. Das Einfachste hierbei, so Henke, waren die Mitarbeiter: „Gute Mitarbeiter findet man durchaus, die Ingenieure sind wirklich qualifiziert. Man muss allerdings versuchen, sich in die Mentalität einzufühlen. Wer zum Beispiel nicht genau formuliert, was er von jemandem erwartet, ist sonst leicht enttäuscht.“ Der Schlüssel zum Erfolg war die Zusammenarbeit mit Uhde India und ThyssenKrupp Electrical Steel vor Ort: So erstellte Uhde India die Bauzeichnungen und überwachte die Bautätigkeiten. Henke koordinierte den Aufbau der Fertigungsstätte. So konnte das Werk pünktlich fertig gestellt werden – und hat eine optimale Ausgangsposition für Rothe Erde in Indien geschaffen. Denn, so Henke: „Inder kaufen gerne von Indern. Auslandsgeschäfte sind nicht einfach für indische Firmen und Einfuhrzölle entfallen jetzt.“ Zudem bewegt sich aktuell viel in Indien – überall entstehen Windparks, und die Großwälzlager von Rothe Erde werden dort und auch für die Erdbewegungsgeräte auf dem Bau benötigt. Damit sich in Zukunft noch viel mehr bewegen kann…
Der Zukunftsentwickler:
Klaus Henkeist Hauptabteilungsleiter Technische Koordination bei Rothe Erde. Nach seiner Ausbildung als Dreher absolvierte er später auf dem zweiten Bildungsweg ein Maschinenbaustudium. Sein Weg führte ihn von der Arbeitsvorbereitung über die Werkserhaltung, bis er dann 2004 in die Technische Koordination wechselte. Was sieht er als maßgeblich für die erfolgreiche Arbeit im Ausland? „Es ist einfach so: Wenn man meint, dass immer alles auf die europäische Art laufen muss, wird man scheitern – so demotiviert man nur die Leute vor Ort. Ich achte deshalb immer darauf, die jeweilige Kultur im Land zu respektieren und zu berücksichtigen.“ Der Maschinenbauer ist verheiratet und hat zwei Kinder, mit seiner Familie lebt er in Altenmellrich, in der Nähe von Lippstadt. Durch seine Tätigkeit ist er viel unterwegs – neben der Zeit für seine Familie ist er daher nur öfter im Skatclub, für alles andere bleibt wenig Zeit.
