Feedback

Bremen

Art of Engineering mal wörtlich genommen

In der Schule gab es immer die, die gut in Sozialwissenschaften und Kunst waren, und die anderen. Die mit den Einsen in Physik. In Bremen treffen wir Ulrich Schreier, der irgendwie ein bisschen beides ist. Denn der Ingenieur ist leidenschaftlicher Bildhauer.

 

Den Beruf zum Hobby machen

Als Head of Mechanical Design bei thyssenkrupp System Engineering leitet Ulrich Schreier ein Team von Ingenieuren. Gemeinsam entwickelt man Maschinen, die beim Kunden ebenfalls Maschinen bauen; Produktionslinien für die Automobilfertigung, beispielsweise. Anders aber als noch in den 70er Jahren, als er selbst Zeichnungen anfertigte und an Konstruktionen arbeitete, ist Teamführung heute Schreiers tägliches Brot. „Ich habe als Teamleiter ziemlich schnell gemerkt, dass mir die Tätigkeit mit den Händen fehlt“, erzählt er. Ulrich Schreier ist eben “Head of”. Und wenn man „Head of“ ist, ist man ganz oft nicht mehr „Hands on“. So kam er zur Bildhauerei; ein Hobby, das aus seiner Leidenschaft zum Konstruieren entstand.

Auf dem System Engineering Gelände in Bremen finden Schreiers Skulpturen einen ungewöhnlichen Platz. Aber ich finde: vor der industriellen Kulisse der Werkshallen und Konstrukteuren in Blaumännern kommen die abstrakten Formen ganz besonders zur Geltung. „Ja, den einen oder anderen Techniker habe ich hier schon unfreiwillig mit meiner Kunst bekehrt“, lacht Schreier. „Die interessiert abstrakte Kunst in der Regel eher weniger“.

Natur und Technik – ein schönes Paar

Dabei liegen gar nicht so große Welten zwischen Natur und Technik. Schreier selbst hat bereits Maschinenteile aus seiner Entwicklung als Kunstobjekte ausgestellt, oder andersherum, natürliche Formen in die Entwicklung verschiedener Maschinenbauteile einfließen lassen. „Das ist so ein Traum von mir; dass Technik irgendwann noch stärker von natürlichen Prozessen beeinflusst wird“. Für „natürliche“ Formen interessieren sich auch die Kolleginnen, erzählt uns Schreier. „Die Damen des Hauses haben sich einmal beschwert, dass ich immer nur weibliche Körper abbilde. Deswegen haben sie extra eine männliche Büste in ihre Abteilung bekommen“.

Und als wir so in Schreiers Gartenatelier im grünen Vorort von Bremen stehen, nehme ich mir etwas vor: In meiner Freizeit werde ich jetzt ein bisschen weniger Da Sofa und ein bisschen mehr Da Vinci.

#ATWseries – Unsere Weltreise

4 Studenten, 94 Tage, 55.000 Kilometer – das ist unser Weltreise-Projekt "Around the world". Die neue Folge gibt es ab sofort immer Donnerstags um 19:37 Uhr auf unseren Blog:

Zum #engineered Blog

nach oben