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Duisburg

Dem Trendscout über die Schulter geblickt

Trendscouts arbeiten nicht nur in den Modemetropolen dieser Welt, sondern auch bei thyssenkrupp. Wir besuchen Nils Klappert, Trendforscher für den Stahlbereich des Konzerns in Duisburg und nehmen neben der besten Bratwurst weit und breit ganz besondere Eindrücke vom Stahlwerk mit.

 

Stahlwerk, Duisburg. Da hören die meisten schon Kohle knacken und schmutzige Männer in Unterhemden noch schmutzigere Witze erzählen. Schweißgeruch. Ruhrpottdialekt. Bratwurst im Brötchen mit Senf. In den kühnsten Erzählungen unserer Großeltern mag das einmal so gewesen sein. Heute ist das natürlich anders (obwohl: zugegeben, die Bratwurst hält sich eisern), und Stahl mehr Zukunft als Vergangenheit. Dafür sorgt Nils Klappert, Trendscout bei thyssenkrupp. Was ein Trendscout mit Stahl zu tun hat? Beim Trendforschen in der Stahlindustrie geht es darum, das Gesicht der Zukunft zu finden. Es geht darum, sich den „großen Fragen“ zu stellen: wie werden wir morgen leben? Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Wie werden wir wohnen?

Stahl für die Ansprüche zukünftiger Generationen

Stabil, aber nicht schwer, ist im Moment für Nils Klappert und seine Kollegen dabei das Mantra. „Sandwich-Produkte“ wie der Hybridwerkstoff „LITECOR®“ beispielsweise seien vor allem in der Automobilindustrie der Zukunft gefragt. Litecore – das ist ein Kunststoffkern von etwa 0,3 bis 1 Millimeter Dicke, der von zwei Stahldeckblechen von 0,2 bis 0,3 Millimetern Dicke umhüllt wird. Die Idee ist einfach, die Umsetzung hochkomplex: Ein Kern aus Kunststoff macht das Produkt deutlich leichter, die Wände aus Stahl erhalten die nötige Stabilität. Das Ergebnis: eine Autotür kann bis zu 33 Prozent leichter sein – in der Automobilindustrie mit Blick auf den Kraftstoffverbrauch eine Welt.

Aber nicht nur die Automobilindustrie nimmt der Wirtschaftsingenieur in seiner Abteilung „Trend- und Technologieanalyse“ unter die Lupe. 5 bis 15 Jahre blickt Nils Klappert in die Zukunft; nutzt umfangreiche Analysetools um das Informationschaos im Web zu strukturieren, scannt technische Bibliotheken, ist mit der Forschung renommierter Universitäten vertraut, wertet internationale Studien aus, verfolgt politische Entscheidungen und hat immer ein Auge auf die Technologiebestrebungen der Wettbewerber. „Wir verstehen uns als Radar, das sieht, was auf uns zukommt, welche Klippen von unserem Tanker umschifft werden müssen“, erzählt er, als wir ihn im Stahlwerk in Duisburg besuchen. Die Urbanisierung ist derzeit so eine Klippe. „Urbanisierung, das bedeutet möglicherweise neue Carsharing-Konzepte. Mehr Carsharing bedeutet zunächst nicht weniger Fahrzeugabsatz, sondern eher steigende Anforderungen an die Fahrzeuge. Für uns also eine Chance differenzierte Lösungen für die Automobilindustrie zu entwickeln.“

Trendforschung verläuft in drei Schritten

Damit bringt Klappert oftmals Wissen zu Themen in den Konzern, die bisher noch nicht behandelt wurden. Und er sucht in einem ersten Schritt intern Experten, die solche Themen gemeinsam diskutieren, prüfen, wie sie sich zu einem potenziellen Geschäftsfeld entwickeln könnten. Darin besteht der zweite Schritt der Technologieforschung: Ideenentwicklung. Diese Ingenieure und Stahlexperten entwickeln dann konkrete Produktideen auf Basis der erforschten Trends, die daraufhin durch den Trichter der Abteilung „Ideenbewertung und Projekte“ laufen. Hier entscheidet sich dann, welche Ideen den Ansprüchen an Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit gerecht werden und in die konkrete Projektumsetzung wandern. Zukunftsstahl entwickeln in drei Schritten also.

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