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Nürburgring

Roman Rose auf der Überholspur

Traumjob trotz schlechter Noten in der Schule? Beim 24 Stunden-Rennen am Nürburgring treffen wir Roman Rose, der als Mechaniker im Motorsport gerade allen davon rast – auch ohne Abitur, Studium, Diplom.

 

Meine Mutter erzählt immer, wie viel einfacher es früher war, eine Lehrstelle zu bekommen. Hauptschulabschluss, das war irgendwann mal eine akzeptierte Währung auf dem Arbeitsmarkt. Heute sieht das anders aus. Die Akademisierungswelle reißt alles und jeden Schüler mit, den sie kriegen kann. Hinzu kommt: Stiftung Warentest Note Sehr gut, 5 Sterne bei Amazon, Benchmarking, Numerus Clausus, Kopfnoten – wir leben in einer Bewertungsgesellschaft. Die Zahlen von eins bis sechs auf unseren Zeugnissen lassen eindeutige Rückschlüsse darauf zu, wie kompatibel wir mit den Erwartungen des Unternehmens sind. Personalabteilungen arbeiten oftmals nach einem simplen Mantra: Schlechte Noten = nicht kompatibel.

„Mit meinem Hauptschulabschluss habe ich gut mitgehalten“

Ich freue mich daher umso mehr, dass wir während unseres „Around the World“-Trips, jemanden treffen, der aus den Schatten seiner Noten herausgetreten ist und zeigt, dass es heute auch noch anders geht. Roman Rose, 23, hat es von 120 unentschuldigten Fehlstunden in der Schule in die Boxengasse der bekanntesten Motorsportrennen der Welt geschafft. Nicht, weil er den Daumen auf seine Abschlussnote gehalten, sondern weil er bei einem Praktikum bei thyssenkrupp Bilstein mehr bewiesen hat als seine Noten.

Über ein Pilotprojekt an seiner Schule ist der ehemalige Hauptschüler vor über sieben Jahren zum Dämpferspezialisten des Konzerns gekommen. „Ich war damals in der Praktikumsklasse. Man ist ganz normal in die 10. Klasse gegangen, hat aber an einem Tag in der Woche ein Praktikum in einem Unternehmen gemacht“. Für Roman war danach klar: ich will bleiben. „Mit meinem Zeugnis wäre ich überall abgelehnt worden“, erzählt Roman beim 24 Stunden-Rennen, wo wir ihn am Nürburgring besuchen, „aber mein Ausbilder hat darauf geachtet, wie ich mich während meines Praktikums geschlagen habe und hat mir die Ausbildung zum Industriemechaniker angeboten.“

Heute montiert Roman Spezialdämpfer für den Motorsport, reist zu den großen Rennen an und schraubt im Bilsteintruck hinter der Boxengasse in Rekordzeit für Aston Martin, Porsche und Co. Gemeinsam mit einem weiteren Mechanikerkollegen kümmert er sich um mehr als 50 Fahrzeuge beim Rennen. Serienmäßige Action inklusive.

Fans und Fahrer liefern sich ein eifriges Rennen

Dabei läuft so ein Rennen und das Basteln hintern den Kulissen ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Es gibt nämlich kein „hinter den Kulissen“. Im Fahrerlager wüten Fans und Männer in feuerfesten Anzügen zwischen Montagetrucks, riesigen Zelten und Flammkuchenständen umher. Der Gang durch die Boxengasse, zumindest hinter der Rennstrecke kein Problem. Motosport zum Anfassen, quasi. Für Roman manchmal gar nicht so einfach, wenn er einen speziellen Schraubenschlüssel braucht und sich durch die Menge vom Boxenlager zum Bilstein-Truck in seine mobile Werkstatt kämpfen muss. Aber wenn es nach ihm ginge, würde es bald noch turbulenter zugehen und die großen internationalen Rennen folgen. „Dazu fehlt mir nur noch der LKW-Führerschein, um den Montagetruck überall hinfahren zu können“, lacht er. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir Roman bald in der Fahrschule antreffen.

Und als wir weiterfahren Richtung Varel, unserer nächsten Station, läuft „Junge“ von den Ärzten im Radio. „Und warum gehst du nicht zu Onkel Werner in die Werkstatt, der gibt dir eine Festanstellung, wenn du ihn darum bittest“. Ich denke an Roman. Manchmal hat man Glück und gerät an einen Onkel Werner; in diesem Fall bei thyssenkrupp Bilstein.

#ATWseries – Unsere Weltreise

4 Studenten, 94 Tage, 55.000 Kilometer – das ist unser Weltreise-Projekt "Around the world". Die neue Folge gibt es ab sofort immer Donnerstags um 19:37 Uhr auf unseren Blog:

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