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Varel

Anekdoten aus der Luftfahrt

Wir sind gerade in Varel unterwegs und gehen einer heißen Frage nach! Was passiert eigentlich, wenn man kurz vor dem Start im Flugzeug sitzt und es heißt „technischer Defekt“?

 

Moin, moin aus dem Norden; das ist doch ganz klar: die Kollegen von thyssenkrupp Aerospace in Varel werden auf einem speziellen Telefon verständigt und das Codewort „AOG“, Aircraft on Ground, gemeldet. Egal, ob das Flugzeug in London, Istanbul oder Mumbai parkt – in Varel beginnt dann das große Treiben. Denn das passende Ersatzteil muss möglicherweise erst noch hergestellt werden.

Eine Hydraulikhalterung nach Bremen, bitte

Von Sitzschienen, über Pneumatikzylinder (ich habe nachgeschlagen: „ein Bauteil das mit Druckluft als Medium eine Bewegung ausführt“) bis hin zu einzelnen Schrauben werden regelmäßig sämtliche Flugzeugersatzteile in Varel angefragt. Während unseres Drehs ist beispielsweise der große Moment eines kleinen silbernen Ringes gekommen: eine Halterung für einen Hydraulikschlauch, der die Flügelklappen bewegt. Klingt ziemlich unspannend, aber man versichert uns: spannender geht’s nicht; ohne dieses Teil stürzt das Flugzeug ab.

Vom Rohmaterial, der Bramme, nimmt der Ring über die Vorfertigung, Oberflächenbearbeitung, Sägen, Fräsen, Endbearbeitung, Beschichtung, Gravierung, Qualitätskontrolle und Verpackung daraufhin Formen an – in wenigen Stunden. Und dann haut’s mich vom Hocker: man ruft das lokale Taxiunternehmen an, das den Ring non-stop zum Bremer Flughafen fährt. Ein Taxi! Und ich darf vorne sitzen.

Mit dem Taxi nach Athen

Der Taxifahrer ist entspannt; macht diese Nummer zum 154. Mal, schätze ich. Er erzählt dabei von Ersatzteil-Fahrten nach Toulouse und England und kommt dann kurz vor Bremen auf eine ganz andere Geschichte aus dem Taxi-Nähkästchen zu sprechen. „Ich fahre nicht nur Flugzeug-Ersatzteile. Einmal, da bin ich mit dem Taxi bis nach Athen gefahren. Erst 22 Stunden hin, dann 14 Stunden mit der Fähre. Da habe ich eine Familie gefahren, die zu einer Taufe nach Griechenland musste.“ Ich glaube, wir hätten noch mehr spannendes Taxi-Geflüster aus dem Fahrer herausbekommen, aber es hieß dann bald: Ankunft am Bremer Airport. Manchmal ist noch Zeit, dann werden die Teile von hier aus mit einer Linienmaschine verschickt. Wenn es sehr eilig ist, wird von der Airline aber auch schon mal ein eigenes Flugzeug für den Versand bereitgestellt. Diesmal ist noch Zeit und der Ring kann Economy fliegen.

Ich denke, vielleicht hätten wir heimlich so einen Hydraulikschlauch-Ring für unsere Weltreise einstecken sollen. Denn wenn es bei einem unserer Flüge heißt „technischer Defekt“, wäre ich den Kollegen in Varel ausnahmsweise schon einen Schritt voraus.

#ATWseries – Unsere Weltreise

4 Studenten, 94 Tage, 55.000 Kilometer – das ist unser Weltreise-Projekt "Around the world". Die neue Folge gibt es ab sofort immer Donnerstags um 19:37 Uhr auf unseren Blog:

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